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„Und, wie ist das Leben mit zwei Kindern?“ {Gastbeitrag}

Eine Mutter erzählt aus ihrem Leben mit Baby und Kleinkind. Wie das so ist, wenn der Alltag die schönen Pläne über den Haufen schmeißt. Die Gastautorin möchte anonym bleiben.

Der Morgen

„Und, wie ist des mit zwei Kindern so?“ fragen die Anderen. Die Erstlingsmütter mit offensichtlicher Neugier, die Zweitmütter mit einem Hauch Sensationsgier, die Kinderlosen unbedarft. Ja, wie ist es denn? Anders. Gut, das war klar. Aus eins mach zwei geht an keinem spurlos vorbei.

Dabei war alles wohlgeplant. Das große Kind mit 4 Jahren längst angekommen im Kindergartenalltag. Vorsorglich von 7 bis 16.30 Uhr angemeldet. Für den Notfall – nicht den Alltag, wohlgemerkt. Der Mann bringt sie morgens hin, das Baby und ich genießen morgens den Babyplüsch mit Kursen, Frühstücken, Haushalt. Wenn es passt, holen wir die Große ab. Das satte und zufriedene Baby im Wagen oder der Trage. Und wenn es denn garnicht geht, das Baby eben einen schlechten Tag hat oder die Mama oder beide – dann nimmt der Mann die Große nach der Arbeit mit. Hach, ein Traum.

Und nun, nicht mehr ganz so hach, die Realität nach sieben Monaten Zweisamkeit.

Ein Kleinkind umarmt ein Baby

6.30 Uhr. Das Baby brüllt seit 1,5 Stunden. Brüllen trifft es, wenn auch der Begriff negativ besetzt ist. Unser Baby brüllt positiv. Vor Freude. Glückseligkeit. Keine Ahnung, ist mir ehrlich gesagt auch egal. Es ist viel zu früh sich in irgendeiner Art und Weise zu äußern. Die Große hustet wie ein alter Mann nach einer enormen Dosis Zigarren. „Na, die bleibt wohl heute besser zuhause.“ flötet der Mann von seiner Bettseite. Ob er denn mit ihr zuhause bleibt, frage ich, leicht sarkastisch. Aber er hat ja recht. Also ein Tag mit beiden Kindern. Eines davon angekränkelt. Nicht ausgeknockt im Sinne von „Ich kann kaum den kleinen Finger heben, kühle meine Stirn“-krank. Nein, hustend. Aufstehzeit der Großen +1 (Maßeinheit in Stunden) hat sie schon 3455 Wörter an mich gerichtet. Das Wort Mama kam überdurchschnittlich häufig vor. Sie ist klug, lieb und neugierig. Ich spreche gerne mit ihr. Aber vielleicht nicht unbedingt nach meiner Aufstehzeit +2,5 (in Stunden gerechnet), das immer noch vor meiner Biorhythmisch ausrangierten Aufstehzeit liegt. Während ich halbherzig immer mal wieder „Ja ja“ sage, bricht das Baby drei Mal. Auf den Teppich, in sein Auge, auf mich.

Ich dusche und wasche das Baby. Ich diskutiere, wer den Pulli fürs Baby aussuchen darf (er trägt Totenköpfe zur Baggerhose, wer da wohl gewonnen hat?), gucke das Benjamin Blümchen Buch an. Ich schicke das Kind Socken anziehen, ja, wirklich, ernsthaft, das muss sein. Lüfte die Räume, ja, da kommt kalte Luft rein, also alle runter ins Erdgeschoss. Ja, wirklich. Stelle den Wecker, dass die Fenster wieder geschlossen werden. Erkläre dem Kind, dass dann der Wecker klingelt und ich dann kurz hochgehe. Als der Wecker klingelt, erkläre ich noch einmal, warum er klingelt und wo ich jetzt genau hingehe und was ich da mache. Das Baby räkelt sich in der Zeit auf der Krabbeldecke. Friedlich. Oh, verdächtige Geräusche.

Gut, offiziell, das Baby scheint kränklich zu sein und kränkliche Babies gehören in die Trage. Nah an Mamas Körper. Wo es wohl behütet, sicher und geborgen nun seinen Vormittagsschlaf hält. Ich habe somit ausgespielt, denn Aktivitäten unterhalb der Gürtellinie sind schlicht nicht möglich. Spülmaschine ausräumen – nope. Wäsche waschen – nope. Gut, dann eben gemütlich im Stehen die Zeitung lesen. Ach, machen wir uns einen ruhigen Tag. Dann ist das eben so. Nimm die Dinge an, die dir gegeben werden. Ich entschuldige mich in der Muttigruppe, dass ich das heutige Frühstück verpassen werde. Kinder krank. Jaaa, schon wieder… Bla bla bla….

Ach, wo wir gerade bei bla bla bla sind, hat mich die Große gerade gefragt, ob sie auf den Schrank steigen darf und habe ich eventuell „Ja ja“ gemurmelt?

Der Mittag

13.29 Uhr und ich sitze im Bett. Hach, traumhaft, was für ein Leben – denkt sich die arbeitende Bevölkerung. Würd ich auch so gerne. Einfach mal mittags im Bett – ähm, sitzen? Ja, genau, sitzen.

Der Plan war folgender: Nach dem vier Komponentenmittagessen für drei Personen geht das Baby ins Bett. Ich habe mich ins Zeug gelegt und wirklich vier Platten des Herdes benutzt. Fischstäbchen (fürs kranke Kind), Mais (für mich und das kranke Kind), Kichererbsennudeln (für alle, 8,99 Euro oder so) und Zuchinisauce (naja, eigentlich natürlich für alle – aber gut, essen wird es wohl keiner außer mir). Das Baby isst selbstbestimmt mit Händen, Füßen und allem, was ihm zur Verfügung steht. Das Kind bekommt einen schön drapierten Teller, ich mache ein instagramwürdiges Foto und stelle alles auf den Tisch. „Was ist das da auf den Nudeln?“ – ich sage ja, das Kind ist klug und stellt die richtigen Fragen (ich spoilere kurz: es aß weder Sauce noch Nudeln…). Das Baby verdrückt freudig 12,5 Nudeln und ein halbes Fischstäbchen in unter 30 Minuten. Danach vermanscht es alles mit 0,25 Liter Wasser. Es lernt ja so schnell. BLW-Kinder können angeblich früher schöner essen. Wait and see.

Das Kind verabschiedet sich nach 5 Fischstäbchen. Es ist krank. Es darf das. Gut, auch mit Husten könnte es am Tisch sitzen bleiben, aber selbst mir ist langweilig, wenn das Baby isst.

Nach dem das Baby sich ordentlich voll…gegessen hat, informiere ich das Kind, dass ich „mal eben das Baby ins Bett bringe“. Das Kind blickt unbeirrt weiter aufs IPad und nickt die Information wohlwollend ab. Ich bin entlassen.
Ich trage das Baby die Treppe hoch, ziehe es einmal komplett um, stille es in den Tiefschlaf und sitze da. Warte auf den perfekten Moment des Ablegens. Freue mich auf ME-Time (die Wäsche, you know…).

Ich höre tapsende Schritte, die Tür wird vorsichtig geöffnet und es tönt „Mamaalsowasichdirnochsagenwolltedasipadistjetztleerichkommemalzueuch“. Das Baby antwortet mit: „Wääääh“. War wohl doch nicht im Tiefschlaf. Normal würde ich sagen: okay, dann sei wach, macht ja nix. Aber das Baby ist kränklich und das wird alles nicht besser, wenn es nicht schläft.

Ich erkläre dem ja ebenfalls kranken Kind, dass es jetzt total gerne Hörspiel in seinem Zimmer hören darf. AUSNAHMSWEISE. (Das zieht normal ganz gut.) Das Baby kreischt inzwischen, weil müde und kränklich.
Das einsichtige Kind zieht ab Richtung Zimmer und beschäftigt sich. Es wird (Spoiler!) den Inhalt aller Schubladen ausräumen und die Puppen mit Spängerchen schmücken. Die 3883 Pixiebücher verteilen und – Achtung, live – 3 Mal vom Bett hüpfen.

Ich sitze da und halte das Baby. Es schläft. Noch.

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